Feb 6

Zaha Hadid – Königin der Kurven

Architektur, Innenarchitektur

Organische Kurven, dynamisch ausklingende Schrägen, Gebäude, die in ihre Umgebung hineinzuwachsen scheinen, kennzeichnen Zaha Hadids unverwechselbare Sprache, ihren charakteristischen Duktus. Schon am Anfang ihrer Karriere sorgte die irakisch-stämmige Britin für Aufsehen, als sie ihren berühmt gewordenen Entwurf für „The Peak“ in Hongkong vorstellte. Dieser horizontal interpretierte Wolkenkratzer ließ in der Welt der Architektur aufhorchen. Doch blieb dieser Entwurf, ebenso wie ihre Ideen zum Berliner Kurfürstendamm oder dem Medienhafen in Düsseldorf unrealisiert. Sie galten als bautechnisch unrealistisch, zu avantgardistisch und wurden nie umgesetzt. Zaha Hadid wurde als „paper architect“ abgetan, deren Ideen niemals das Architekturbüro verlassen würden.

Das Feuerwehrhaus von Vitra in Weil am Rhein ist das erste Gesamtbauwerk von Zaha Hadid überhaupt. Danach wurde sie auch international wahrgenommen. Ein erster großer Meilenstein ihrer Karriere war der Entwurf für das Center for Contemporary Art in Cincinnati, Ohio das weltweite Anerkennung fand. Die hartnäckige und unbeirrbare Frau, noch dazu aus dem arabischen Kulturraum, setze sich in der männerdominierten Architektur nachhaltig durch und gründete 1980 in London ihr eigenes Büro und beschäftige 2005 schon circa 150 Mitarbeiter.


Heydar Aliyev Center, Kulturzentrum Baku

Zaha Hadid hatte Kubismus und Futurismus längst hinter sich gelassen und wurde die Schöpferin sinnlich gerundeten Unikaten, die in ihrer Exzentrik den Atem verschlugen. In Baku, Abu Dhabi und Peking schmeichelten ihre von Geschichte, Plan und den Bedürfnissen ihrer gebauten Umgebung entkoppelte glamouröse „Signature Buildings“ der Eitelkeit ihrer potenten Kunden.

Kritiker geißelten ihre Blasiertheit, die sie auf dem Gipfel ihres Ruhms zu Beton gerinnen ließ. Ihre am Computer kalkulierte Extravaganz gebar extravagante Träume an der Grenze des statisch Machbaren, wie das London Aquatic Centre oder auch Museen an deren gerundeten Wänden Bilderrahmen im Leeren baumelten.


Wangjing SOHO Center, Peking

Auch in unseren Breiten gibt es bemerkenswerte Architektur von Zaha Hadid. In Innsbruck steht die Hungerburg Bergbahnstation, sie fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Hungerburg mit Anschluss an die Nordkettenbahnen. In weniger als 20 Minuten gelangt man damit aus dem Innsbrucker Stadtkern in hochalpines Gelände.


Hungerburg Bergbahnstation in Innsbruck

Auf dem Gipfelplateau des Kronplatzes auf 2.275 Metern Höhe gelegen ruht das Messner Mountain Museum MMM Corones.  Im unverwechselbaren Museumsbau von Zaha Hadid, an der Kante des großartigsten Aussichtsplateaus Südtirols, schweift der Blick in alle vier Himmelsrichtungen: von den Lienzer Dolomiten im Osten bis zum Ortler im Westen, von der Marmolada im Süden bis zu den Zillertalern im Norden.


Messner Mountain Museum MMM Corones auf dem Kronplatz

Mit dem leider viel zu frühen Tod von Zaha Hadid im März 2016 hat der Kosmos von Architektur und Design eine außergewöhnliche und stilprägende Architektin verloren. Ihre vielen eindrucksvollen Bauten in den Metropolen der Welt oder in atembraubenden Landschaften werden uns noch lange begeistern.

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